PRESSE

Sonntagsnachrichten 2.10.2005
Witze werden leicht missverstanden

Sprachschulinhaberin Sabine Pröschel spricht über Klippen internationaler Verträge

HALLE (mas. Ob man die gleiche Sprache spricht, ist mitunter schon eine Geschlechterfrage. Doch bei der Verständigung mit Menschen anderer Völker und Kulturkreise sind die versteckten Hürden ungleich tückischer. Um welche Klippen es da geht, erklärte die Inhaberin der privaten Sprachschule E.L.T. in Halle, Sabine Pröschel, am Dienstag vor Mitgliedern des Marketing-Club Halle.

„Unterwegs auf den Handelsstraßen der Welt – Sprachkompetenz bei internationalen Geschäftsanbahnungen“ hieß das Thema des Clubabends. „Menschen wollen verstanden werden“, nannte die Wahl-Hallenserin ein wichtiges Erfolgskriterium. Klingt einfach, funktioniert aber nur, wenn man die im Unterbewusstsein gespeicherten kulturellen Eigenheiten bei sich selbst und dem ausländischen Gesprächspartner kennt. Der Ethnozentrismus, also die Neigung, Dinge aufgrund seines kulturell bedingten Wertschemas zu beurteilen, müsse beachtet werden, so Pröschel. So stünden sich beispielsweise die Universalisten und die Partikularisten gegenüber: Für erstere gelten Regeln für alle, sind Verträge verbindlich. Für die Partikularisten hingegen steht die Beziehung über der Regel, sind Verträge Richtlinien. Bei Verhandlungen träfen zudem Ich- und Wir-Menschen aufeinander. So sei ein Dolmetscher in Wir-Ländern wie China keine Black-Box, wo eine Sprache hinein geht und die andere herauskommt, sondern Verhandlungspartner, Berater, Schlichter. Außerdem könne das Auftreten einer Einzelperson in Wir-Ländern so verstanden werden, dass der Verhandlungspartner keinen hohen Stand hat, gab Pröschel zu bedenken.

„Individualisten unterzeichnen einen Vertrag schnell (die Probleme kommen später), WirMenschen beraten deutlich länger (doch fällt eine Entscheidung, steht sie auf sicherem Fundament).“ Auf Feinheiten verwies Pröschel auch für die Art der Gesprächsbeteiligung und den Tonfall. So werde in unseren Breiten in der Regel wechselseitig gesprochen, während Spanier zum Beispiel sich in der Regel gegenseitig ins Wort fallen würden. Temperamentvolles Aufbrausen, bei Spaniern oder Italienern nicht unüblich, komme in Taiwan ganz schlecht an. Dort sei angesehen, wer Ruhe bewahrt. Eindringlich warnte Pröschel vor Witzen. Die würden meistens missverstanden.

(Beitrag von Martin Schramme)